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Das passiert in unserer Kläranlage

Bevor das Wasser gereinigt in die Feldaist zurückgeleitet wird, durchläuft es in der Kläranlage Freistadt mehrere exakt aufeinander abgestimmte mechanisch-biologische Reinigungsstufen. Jede dieser Stufen erfüllt eine klar definierte Aufgabe: Grobstoffe werden entfernt, gelöste Schmutzstoffe biologisch abgebaut, Nährstoffe reduziert und Rückstände weiterbehandelt. So entsteht aus verschmutztem Abwasser Schritt für Schritt wieder Wasser, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht und unsere Gewässer schützt.

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Wasser, das unsere Region verbindet.

Auf 52 Kilometern fließt die Feldaist von ihrer Quelle nahe St. Michael in Oberrauchenödt bis nach Hohensteg bei Pregarten, wo sie sich mit der Waldaist zur Aist vereint und damit einen wichtigen Teil unserer regionalen Gewässerlandschaft bildet.

Reinigungsablauf in der Kläranlage im Detail

Abwasserreinigung ist ein komplexer Prozess, der aus mehreren sorgfältig abgestimmten Schritten besteht. In der Kläranlage sorgen diese Reinigungsstufen dafür, dass Wasser sauber und umweltverträglich wieder in die Natur zurückgeführt werden kann.

1.

Regenentlastung und Regenbecken – Zwischenspeicherung bei Starkregen

Bei Starkregen fällt mehr Abwasser an, als die Anlage sofort verarbeiten kann. Das überschüssige Wasser wird in Regenbecken zwischengespeichert und nach dem Niederschlag wieder der Reinigung zugeführt. So wird eine Überlastung der Kläranlage verhindert und der Eintrag ungeklärten Wassers in Gewässer möglichst reduziert.

2.

Rechenanlage – mechanische Entfernung von Grobstoffen

Das Abwasser durchströmt zwei parallel arbeitende Siebrechen mit einem Stababstand von 3 Millimetern. Hier werden Grobstoffe wie Papier, Hygieneartikel oder Speisereste zurückgehalten. Das Rechengut wird in einer Rechengutwaschanlage von organischen Resten befreit, entwässert und in Containern entsorgt.

3.

Sandfang – Abscheidung von Sand und Kies

Im Sandfang setzen sich schwere Stoffe wie Sand und Kies ab. In einer Sandwaschanlage werden verbleibende organische Bestandteile entfernt. So wird verhindert, dass abrasive Stoffe Pumpen, Leitungen und Becken beschädigen oder sich in der Anlage ablagern. Gleichzeitig wird die Effizienz der nachfolgenden Reinigungsstufen verbessert.

4.

Vorklärbecken – Abtrennung von Primärschlamm

Im Vorklärbecken sinken ungelöste Stoffe wie Fäkalien oder Fasern als Primärschlamm zu Boden und werden entfernt. Durch die verlangsamte Fließgeschwindigkeit kann sich der Schlamm gezielt absetzen. Dadurch wird die nachfolgende biologische Reinigung entlastet und stabiler gemacht, da weniger Feststoffe in die Belebungsbecken gelangen.

5.

Biologische Reinigung – fünf Belebungsbecken

Das Abwasser durchläuft fünf große Belebungsbecken. Milliarden Bakterien und Mikroorganismen bauen organische Stoffe sowie Stickstoff- und Phosphorverbindungen ab. Über Belüfter wird Luft eingeblasen, damit die Mikroorganismen mit Sauerstoff versorgt werden. Zusätzlich werden chemische Fällmittel eingesetzt, um restliche Phosphorverbindungen zu binden und die Gewässerbelastung zu minimieren.

6.

Nachklärbecken – Trennung von Wasser und Belebtschlamm

In drei Nachklärbecken setzt sich der Belebtschlamm ab. Ein Großteil wird als Rücklaufschlamm wieder in die Belebungsbecken zurückgeführt, um die biologische Reinigung aufrechtzuerhalten. Überschussschlamm wird entnommen und weiterbehandelt. Das zu rund 99 % gereinigte Wasser wird zurück in die Feldaist geleitet.

7.

Schlammbehandlung – nachhaltig genutzt

Primär- und Überschussschlamm gelangen in die Faultürme. Dort verbleibt der Schlamm rund 40 Tage bei etwa 37 °C unter Luftabschluss. Methanbakterien zersetzen die organische Masse, es entsteht Faulgas. Der stabilisierte Schlamm wird anschließend in einer Zentrifuge (Dekanter) entwässert und unter Zugabe von Kalkhydrat gelagert. Landwirte nutzen diesen Schlamm als Dünger.

8.

Energiegewinnung – Strom und Wärme aus Faulgas

Das entstehende Methan wird im Gasbehälter gespeichert und im Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung genutzt. Die dabei entstehende Abwärme beheizt Faulturm und Betriebsgebäude. Zusätzlich kann ein Teil der Energie für den laufenden Betrieb der Kläranlage verwendet werden. So wird fossile Energie eingespart und die Anlage kommt der Energieautarkie sehr nahe.

Halten wir unsere Gewässer sauber!

Alles, was über Waschbecken, WC oder Bodenablauf im Kanal landet, muss aufwendig bis zur Kläranlage transportiert und gereinigt werden. Je weniger Abwassermenge und problematische Inhaltsstoffe ins Kanalnetz gelangen, desto geringer sind Aufwand, Kosten und Störungen im Reinigungsprozess. Auch du kannst mithelfen, Abwasserverschmutzung zu vermeiden – und damit Umwelt und Gebühren zu entlasten.

150 km Kanal: der Weg vom WC zur Kläranlage

Alle Haushalte, Betriebe und Einrichtungen produzieren Abwasser. Dieses gelangt über das Kanalsystem zu unserer Kläranlage. Der RHV betreibt nicht nur die Kläranlage, sondern auch ein Kanalsystem von rund 150 Kilometern, davon etwa 20 Kilometer Hauptsammelkanäle, entlang der Feldaist und der Jaunitz. Das Abwasser fließt überwiegend im freien Gefälle. Einige Pumpwerke helfen dabei, Geländestufen zu überwinden. Die in den vergangenen 30 Jahren errichteten Kanäle wurden im Trennsystem gebaut. Das bedeutet: Regenwasser wird über ein eigenes Leitungsnetz in Bäche abgeleitet und Schmutzwasser zur Kläranlage geführt.

Regelmäßige Wartung der Kanäle

Seit 2016 übernimmt der RHV die Kanalwartung für Freistadt, Grünbach, Rainbach und Waldburg sowie in Kooperation für Hirschbach, Reichenau und Schenkenfelden. Dazu gehört:

  • Optische Kontrolle der Kanalschächte
  • Betreuung des Leitsystems für die Pumpwerke
  • Dokumentation im Leitungsinformationssystem
  • Koordination von Kamerabefahrungen
  • Koordination von Sanierungsarbeiten

Fortlaufende Überprüfungen durch unseren Kanalfacharbeiter

Die Überprüfung der Kanäle erfolgt regelmäßig in festgelegten Intervallen. Dabei werden sämtliche Kontrollen digital im Leitungsinformationssystem erfasst und ausgewertet. So wird die Funktionsfähigkeit des gesamten Kanalnetzes langfristig gesichert und notwendiger Sanierungsbedarf frühzeitig erkannt. Kanal-TV-Kontrollen finden alle zehn Jahre statt, die Kontrolle der Kanalschächte erfolgt alle drei bis fünf Jahre. Ansprechpartner für den Bereich Kanalbetrieb ist unser Kanalfacharbeiter Christoph Kolberger. 

Abwasserwerte & Ablaufdaten

Für das gereinigte Abwasser gelten gesetzlich festgelegte Grenzwerte. Diese Grenzwerte sind in behördlichen Bescheiden und der Abwasseremissionsverordnung geregelt. Die Einhaltung wird regelmäßig gemessen, dokumentiert und behördlich kontrolliert. Die aktuellen Abwasserwerte sowie jene des Vorjahres sind hier für alle öffentlich und monatlich einsehbar.

Entstehung unserer Kläranlage

Vor 1992 und der Gründung des RHV Freistadt und Umgebung war die Abwasserreinigung in der Region sehr einfach organisiert. Freistadt hatte vor dieser Zeit nur eine kleine Anlage mit grundlegender Technik, andere Gemeinden nutzten lediglich Absetzbecken, die nur Grobstoffe zurückhielten, oder hatten gar keine Kläranlage. Mit der Kooperation der Gemeinden Freistadt, Rainbach, Grünbach, Waldburg und Teilen von Lasberg begann der gemeinsame, systematische und nachhaltige Ausbau der Wasseraufbereitung.

Meilensteine in der Entwicklung

  • 1992: Gründung und erster Ausbau auf 22.000 Einwohnerwerte (EW)
  • 2007–2009: Erweiterung auf 30.000 EW
  • 2024: Beginn der Erweiterung auf 48.000 EW. Dafür wurden neue Becken, ein zweiter Faulturm, moderne Rechenanlagen, ein größerer Gasspeicher und ein neues Blockheizkraftwerk errichtet. 2025 wurden die Umbauten abgeschlossen und im Herbst feierlich eröffnet.

Für Wasser, das Zukunft hat

Die Anforderungen an Kläranlagen steigen kontinuierlich. Durch gezielte Investitionen und technische Erweiterungen stellt der RHV auch künftig eine sichere und umweltgerechte Abwasserreinigung sicher. Dazu zählt unter anderem die geplante vierte Reinigungsstufe, mit der Medikamentenrückstände, Spurenstoffe und Mikroplastik künftig besser entfernt werden können. Die Kombination aus Photovoltaikanlage und Blockheizkraftwerk ermöglicht zudem, einen großen Teil des Energiebedarfs selbst zu decken.

Auch die Kanalnetze werden laufend angepasst, um bei Starkregen den Eintrag von Mischwasser in Gewässer zu reduzieren. Ab 2033 untersagt die Klärschlamm-Verordnung die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm aus Anlagen über 20.000 Einwohnerwerten. Vorgesehen sind stattdessen eine thermische Behandlung, die Rückgewinnung von Phosphor sowie die sichere Entfernung von Schadstoffen. So wird der Schutz unserer Gewässer langfristig gesichert.