Abwasser-
Reinigung

Schutz für unser Wasser und Leben

Sauberes Trinkwasser ist eine knappe Ressource: Zwar sind rund 71 % der Erdoberfläche von Wasser bedeckt, aber nur etwa 0,3 % stehen uns als nutzbares Trinkwasser aus Bächen, Flüssen, Seen und dem Grundwasser zur Verfügung. Gleichzeitig steigt der Druck auf unsere Gewässer weltweit: Industrie, Haushalte, Landwirtschaft und neue Schadstoffe belasten das Wasser zunehmend. Bereits heute haben viele Länder Schwierigkeiten, ihre Bevölkerung ausreichend mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Kläranlagen übernehmen hier eine zentrale Aufgabe: Sie reinigen das gebrauchte Wasser aus Haushalten und Betrieben, bevor es wieder in den natürlichen Kreislauf zurückfließt. Damit schützen sie Gewässer, Lebensräume und unsere Gesundheit.

Warum Abwasserreinigung so wichtig ist?

Ohne Abwasserreinigung würden ungefilterte Schadstoffe, überschüssige Nährstoffe und Krankheitserreger direkt in Flüsse und Bäche gelangen. Das hätte weitreichende Folgen für Natur und Mensch: Ökosysteme würden stark belastet, Tiere und Pflanzen gefährdet, Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung erhöht und wichtige Trinkwasserressourcen nachhaltig beeinträchtigt. Seit der Zeit um 1900 ist die Lebenserwartung um rund 30 Jahre gestiegen – ein wesentlicher Grund dafür ist die Einführung moderner Abwasserbehandlung. Dieses Beispiel zeigt deutlich, welchen enormen Beitrag funktionierende Kläranlagen für Gesundheit, Umwelt und die Entwicklung unserer Gesellschaft leisten.

Sauberes Wasser ist kein Zufall.

Es ist das Ergebnis moderner Technik, verantwortungsvoller Planung und täglicher Arbeit im Hintergrund – damit Abwasser zuverlässig gereinigt wird, bevor es wieder in unsere natürlichen Gewässer zurückkehrt.

So funktioniert die mechanisch-biologische Abwasserreinigung

Eine mechanisch-biologische Kläranlage wie jene des RHV Freistadt und Umgebung nutzt die natürliche Selbstreinigungskraft der Gewässer – jedoch wesentlich schneller und unter kontrollierten Bedingungen.

Mechanische Reinigung:
Grobes wird entfernt

In der ersten Reinigungsstufe wirken Rechen, Sandfang und Vorklärbecken wie Siebe und Filter. Grobe Feststoffe wie Hygieneartikel, Papierreste oder Plastik werden zurückgehalten, während Sand, Kies und Schlamm absinken. Schwimmende Stoffe wie Fette und Öle werden an der Oberfläche abgeschöpft. 

Diese mechanische Vorreinigung schützt Pumpen und Leitungen, entlastet die weiteren Reinigungsstufen und schafft die Grundlage für eine wirksame biologische Abwasserbehandlung.

Biologische Reinigung:
Hier arbeiten Mikroorganismen

In mehreren Belebungsbecken übernehmen Milliarden von Bakterien und Mikroorganismen die Hauptarbeit. Sie bauen die im Wasser gelösten organischen Stoffe ab und wandeln sie in Biomasse um. Dafür wird ihnen über Belüfter Sauerstoff zugeführt, damit die biologischen Abbauprozesse optimal ablaufen. 

Im Nachklärbecken trennt sich diese Biomasse wieder vom gereinigten Wasser und setzt sich am Boden ab.

Behandlung von Schlamm und Energiegewinnung

Die abgetrennten Feststoffe aus Vor- und Nachklärung gelangen in die Faultürme. Dort zersetzen Bakterien den Schlamm unter Luftabschluss. Dabei entsteht Faulgas, das hauptsächlich aus Methan besteht. Dieses Gas wird zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. 

Der verbleibende Klärschlamm kann als Dünger verwendet oder kompostiert werden. Wo das nicht möglich ist, muss er verbrannt werden.

Im Überblick

1. Vorklärbecken: Hier werden Sink- und Schwimmstoffe vom Abwasser getrennt.

2. Belebungsbecken: Bakterien und Mikroorganismen entfernen gelöste Schmutzstoffe wie Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Über Belüfter wird Sauerstoff zugeführt.

3. Faultürme: Aus dem abgesetzten Schlamm entsteht Faulgas zur Energiegewinnung.

4. Nachklärbecken: Der Belebtschlamm setzt sich ab, das gereinigte Wasser wird über den Ablauf in die Feldaist geleitet. Durch die gute Reinigungsleistung der Kläranlage Freistadt konnte die Wasserqualität der Feldaist in den vergangenen Jahren nachweislich verbessert werden.

Das passiert alles in unserer Kläranlage. Doch wie kommt das schmutzige Wasser eigentlich von den Gemeinden zu uns?

Abwasserreinigung betrifft uns alle

Jeder Mensch verbraucht pro Tag rund 150 Liter Wasser – aber nur etwa 5 Liter werden zum Trinken oder Kochen genutzt. Der Großteil wird als Abwasser wieder abgeführt und muss gereinigt werden. Jedes Jahr landen rund 40 Tonnen Abfälle wie Hygieneartikel, Zigarettenstummel, Verpackungen, Chemikalien, Gifte oder Altöle fälschlicherweise im Abwassersystem.

Je weniger problematische Stoffe ins Abwasser gelangen, desto einfacher, sicherer und kostengünstiger ist die Reinigung. Alles, was in Waschbecken, WC oder Abflüsse gelangt, muss über das Kanalnetz bis zur Kläranlage transportiert werden. Falsche Entsorgung führt zu Verstopfungen, technischen Problemen und Störungen im biologischen Reinigungsprozess.

Das WC ist kein Mistkübel

Viele Stoffe verursachen Schäden in der Kanalisation, gefährden die Reinigungsprozesse oder belasten die Umwelt. Jede und jeder Einzelne trägt dazu bei, unsere Gewässer sauber zu halten. Richtige Entsorgung schützt Umwelt, Technik und Kosten – und damit unser gemeinsames Wasser.

Folgendes darf nicht über den Kanal entsorgt werden:

Feststoffe & Hygieneartikel

  • Wegwerfwindeln, Slipeinlagen, Binden
  • Tampons, Kondome
  • Feuchttücher (auch „biologisch abbaubare“)
  • Strümpfe, Textilien
  • Verpackungen, Zahnbürsten
  • Wattestäbchen, Rasierklingen
  • Zigarettenstummel
  • Katzenstreu
  • Staubsaugerbeutel, Kehricht, größere Mengen Haare

Chemikalien, Gifte & Problemstoffe

  • Farben, Lacke, Lösungsmittel sowie Klebstoffe und Harze
  • Säuren, Laugen und größere Mengen an Desinfektionsmitteln
  • Schwermetalle wie Quecksilber (z. B. aus Fieberthermometern)
  • Schädlings-, Pflanzen-, Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel
  • Medikamente sowie chemische Kosmetikprodukte (z. B. Nagellack, Nagellackentferner)
  • Fotochemikalien

Speisefette & Küchenabfälle

  • Frittieröl
  • Altspeiseöle
  • Bratpfannenreste
  • Fetthaltige Saucen, Dressings, Mayonnaise
  • Speisereste
  • Kaffeesatz

Öl- und Treibstoffe

  • Altöl, Maschinenöl
  • Schmierstoffe, Hydrauliköle
  • Benzin, Diesel, Petroleum
  • Bremsflüssigkeit, Frostschutzmittel
  • Fahrzeugreinigungsmittel
  • Verdünner

Baustoffe

  • Zementschlämme
  • Zement
  • Mörtelreste
  • Gips, Putzreste, Fliesenkleber
  • Bauschutt

Sonstiges

  • Asche
  • Sand in größeren Mengen
  • Tierkadaver oder Schlachtabfälle
  • Inhalte von Chemie-Toiletten